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      2017                                  

 

DIE FARBE DER ZEIT

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Kristina Bozurska

Mihaela Jovanovska

Tocka Punto Punkt

Tender Talk

R. Lizdek, B. Milanovic, S. Rupic

 Vanessa Karré 

Distorsion

 

 


24.02. - 28.03.2017
"Du bellst vor dem falschen Baum"
Arbeiten von Vanessa Karre

zu Texten von Judith Holofernes

 

 

 

   

 

 

     

 

     

 

     

 

     

 

 

„Du bellst vor dem falschen Baum"

Arbeiten von Vanessa Karré

 

Gezeigt werden 60 klein- und mittelformatige Bilder hinter Glas. Es handelt sich um Collagen, die von der Künstlerin Vanessa Karré in Auseinandersetzung mit Texten der Sängerin und Autorin Judith Holofernes erstellt wurden. Die Bilder haben alle Eingang in den Lyrikband „Du bellst vor dem falschen Baum" gefunden, das im Jahr 2015 im Tropen Verlag erschienen ist.

Das Thema sind durchgängig Tiere und das Verhältnis von uns Menschen zu ihnen. Angesprochen werden einzelne Haus-, Nutz- oder Wildtiere der unterschiedlichsten Gattungen, von großen Säugetieren bis zu winzigen Parasiten, schöne und hässliche, angenehme und unangenehme.

Vanessa Karré hat eine Bildtechnik gewählt, die sich auf ungewöhnliche Weise bereits produktionsästhetisch mit dem Gegenstand des menschlichen Blicks auf das Tier auseinandersetzt. Die Collage bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Materialien, Quellen und Genres gleichzeitig nebeneinanderzusetzen und divergierende, teils sogar widersprüchliche Kriterien und Qualitäten zu kombinieren. Mit dieser Strategie fängt die Künstlerin die uneinheitlichen und vielfacettierten Vereinnahmungen von Tieren in unserer Kultur ein. Mit Bildausschnitten aus Lexika und wissenschaftlichen Darstellungen, aus medizinischen und zoologischen Illustrationen, touristischen Reiseansichten, aus Zoo und Zirkus, Postkarten, Kochbüchern oder religiösen Idyllen wird klar gemacht, dass es das Tier als solches nicht gibt.

Darüber hinaus bergen Collagen stets das Potential des Unvorhersehbaren. Diesen Aspekt betont die Künstlerin noch, indem sie ausgewiesene Zufallsverfahren einbezieht und mit höchst kontrollierter und virtuoser Zeichenkunst kombiniert. Sie verwendet hierin eine Bandbreite klassischer Illustrationstechniken, die auch der Ausstellung insgesamt Collagencharakter verleiht. Die Beziehung zwischen Kunst und Natur, Beherrschung und Zufall, Gemachtem und Gewordenen reflektiert auf elegante und nicht moralisierende Weise das Verhältnis zwischen Mensch und Tier.

Das Prima Center bietet einen gelungenen Rahmen für diese Ausstellung. Die Galerieräume unterstreichen den Kunstcharakter der Collagen und erlauben gleichzeitig eine unprätentiöse Nähe zu den Bildern, den die Bildtechnik und das Thema einfordern.

 

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Ein Zoo aus Poesietieren im Prima Center Berlin

Publiziert am 8. März 2017 von Paula Balov

Vanessa Karré und Judith Holofernes

 

Das wuselige Wiesel, der Erdferkelinfant, der Loserpudel und die olle Qualle, die Voll- und die Halbmeise, picassöse Tiefseefische und der Hund, der einfach weiter vor dem falschen Baum bellt: All diesen lyrischen Wesen aus der Feder der „Wir Sind Helden“-Sängerin und Texterin Judith Holofernes, hat die Illustratorin Vanessa Karré eine Gestalt gegebenen. Sie präsentiert ihre Arbeiten bis zum 28. März 2017 im Prima Center Berlin.

Vanessa Karré studierte an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und arbeitet seit 1997 als freie Illustratorin und Malerin in Berlin.

Den Illustrationen für „Du bellst vor dem falschen Baum“ hatte sie ein ganzes Jahr gewidmet und sich fest in den Kopf gesetzt das Vergnügen in den Vordergrund der Arbeit zu stellen – auch Judith Holofernes verfasste den Lyrikband vor allem im Dienst der Freude. Diese Stimmung fing Vanessa Karré mit ihren Werken ein, um das Buch zu einem, wie sie beschreibt, „Fest der Synapsen“ zu machen.

Das kunterbunte Ergebnis lässt sich sehen: Bleistiftzeichnungen, Tusche, Federzeichnungen, Aquarelle und Collagen wechseln sich ab, minimalistische und subtile Herangehensweisen folgen auf detailreiche und komplexere Werke. Die Bilder geben den verträumten und humorvollen Ton der Gedichte wieder und verleihen ihnen gleichzeitig Tiefe.

„Ich habe wild gemalt, gezeichnet, geschnitten, geklebt und mich auch gerne zurückgehalten und Farbe und Material arbeiten lassen,“ erklärt Vanessa Karré. „Dann musste ich nur noch die von alleine entstandenen Strukturen aufgreifen und in meinem Sinne zähmen. Wie bei richtigen Tieren waren einige Bilder leichter zu zähmen als andere.“

Sie näherte sich durch die Beschäftigung mit dem Wesen des Tiers ebendiesem und ging dabei auch dem Wesen der Tierillustrationen auf den Grund: Vanessa Karré schätzt klassische Natur- und Tierillustrationen aus der Zeit, als sich Illustratoren als Handwerker verstanden. Sie verwendete für die Collagen Bilder von inspirierenden VorgängerInnen wie Ernst Haeckel, Käthe Olshausen-Schönberger oder H. B. Vestal, der „Moby Dick“ illustrierte. Dabei eignete sie sich den Stil nicht einfach an, sondern setzte ihn in Dialog mit ihrer eigenen Bildsprache.

 

Mit Judiths Gedichten stand sie in einem noch persönlicheren Dialog: In ihrem Lieblingsgedicht „Rehe 1“ versinkt das lyrische Ich in der Beobachtung von Rehen. „Ich liebe die Zeile ‚Wiese und Zehen‘, denn sie erinnert mich an mich als Kind, als all die Insekten und Wunder einer Wiese näher an mir dran waren,“ erzählt Vanessa Karré. „Klar, dass Schnecken und Heupferdchen damals eine größere Rolle in meinem Leben gespielt haben als heute. Ich habe versucht diese Erinnerung durch mein Bild wiederzubeleben.“

Auch für diejenigen, die den Lyrikband schon zuhause haben, lohnt es sich im Prima Center Berlin vorbeizuschauen, denn durch die Ausstellung bekommen die Werke losgelöst von den Gedichten viel Raum ihre Wirkung zu entfalten. Als begleitendes Programm gibt es zudem kleine Konzerte: Vanessas Band The VANdalism konnte bei der Eröffnung und letzten Samstag schon begeistern und diesen Samstag, am 11. März, werden Kutzkelina and Fearless Bob ab 20 Uhr die Gedichttierwelt mit Country, Folk und Liebesliedern beschallen.

 

Artikel von Paula Balov