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      2013                                  

 

DAS IST WALTER

Ira Schneider

Durch die erhellung

Urs Jaeggi & Kulz-Mackenzie

Igor Toshevski

Filipova-Kitanovska & Naumoska

Natasha S. Zafirovska

 Krunislav Stojanovski

Wadim Rakowski

Dragana Brankovic 

Looking throught Landscape

portrayed art

O.P.A.

 

 

 

 

31.05.-14.06.2013

Das Auge“

Krunislav Stojanovski

 

 

 

 

 

  

 

    

 

 

 

KRUNISLAV STOJANOVSKI : DAS AUGE

Die Ausstellung Das Auge ist die modifizierte und logische Fortsetzung zweier früherer in Zagreb ausgestellter Projekte von Krunislav Stojanovski (Das Auge und Porträts), die hier wegen ihrem konzeptuellen Bezug zueinander in einer Ausstellung vereinigt werden. Während Das Auge eine atmosphärisch-akustische Installation ist, die deutliche Kritik an den politischen Strukturen übt, die uns durch die Massenmedien in einem permanenten Zustand der Kontrolle, Manipulation und Einschüchterung gefangen halten, bedient sich der Künstler in seinem Zyklus Porträts beim Schaffen der Porträts von Freunden, Künstlern und Kollegen zweier verschiedener Medien – dem Medium der Fotografie und dem IPhone als Medium zum bloßen Zeichnen mit dem Finger. Das, was die Projekte zu einem einheitlichen Ganzen verschmelzen lässt, ist das Gefühl der Versinkens in der Masse, die von uns selbst ausgemacht wird und die uns gefangen hält im Bewusstsein, als Individuen allein nichts verändern zu können; doch gibt es da trotzdem noch uns wenige, die als Idealisten, Künstler und als kunsthellhöriges Publikum das moralische Kollektiv zu den Politikern bilden und die wir, wie der Künstler sagt, das Zünglein der Balance an der Waagschale einer Gesellschaft des verlorenen Kompasses sind.

Hier präsentiert sich eine modifizierte und reduzierte Version der atmosphärisch-akustischen Installation Das Auge, speziell dem dreigeteilten Raum dieser Galerie angepasst. So wird der Besucher ganz am Anfang der Ausstellung auf einem großen Plakat direkt mit dem Auge konfrontiert, dem allmächtigen und allgegenwärtigen, dem alles sehenden und alles wissenden Auge, von Kruno schon 1997 in einem Projekt verwendet und damit schon visionär Big brother voraussehend, die alles andere als harmlose Reality Show, die Sinnbild des Trash ist. Durch die Iris eines riesigen Auges auf Plakat wird der Besucher zur voyeuristischen Aktion aufgefordert und blickt auf eine kleinere Installation - ein gleißend blendendes Auge, aufgestellt im dunklen, postapokalyptischen Ambiente einer schwarzen Kammer. Was folgt ist die unangenehme Konfrontation mit dem Gefühl, gleichzeitig Subjekt und Objekt des Betrachtens zu sein. Durch das kleinere Auge wird eine Videokollage mit Reden bekannter Politiker projiziert, aber der Ton, den die Kopfhörer übertragenen, stimmt nicht mit den Reden überein, denn das, was der Besucher hört, ist der hypnotische, meditative Klang tibetanischer Gebete. Die Reden der Politiker schwingen eigentlich im ganzen Raum der Galerie, werden jedoch rückwärts abgespielt und klingen wie abstrakte und sinnlose Mantras. Darin eingefangen ist die subversive Botschaft des Künstlers über die Absurdität und Sinnlosigkeit des Gesprochenen und findet im Singsang des buddhistischen Mantra ihre ironische Umsetzung. Es bedarf auch keines (Zu-)Hörens mehr, um zu wissen, dass sie lügen, dass sie zur Befriedigung ihrer eigenen Interessen das Unmögliche versprechen und die Massen zum Lähmen bringen allein durch ihr Erscheinungsbild, als ob sie eine unantastbaren Kaste oder überirdischer Super-Wesen wären. Und dennoch einer kollektiven Hypnose gleich vergessen die Volksmassen schon morgen die leeren Versprechungen der Politiker und schenken ihnen wieder blind folgend ihr Vertrauen.

Die Möglichkeit, dass sie uns alle eines Tages überwachen und all unsere Bewegungen kontrollieren werden, ist erschreckend, jedoch schon Teil unserer Wirklichkeit. Wenn Kroatien der Europäische Union beitritt, wird das Zentrum der Allmacht seinen Blick auch auf unser Land richten und mit seinem unerbittlichen Auge durch die Auferlegung seiner strikten Verhaltensmaßnahmen unsere noch un-ausgeschöpften Potentiale kontrollieren und ausnutzen. Das Nicht-Versinken in einer bunten Masse, dem alles verschlingendem Melting pot, neben der Wahrung unserer Persönlichkeit wir keine leichte Aufgabe sein.

Im zentralen Raum der Galerie erwecken die Videoaufnahmen und die im ganzen Raum hängenden großen Plakate mit den Fotografien der vorbeiströmenden Besucher der Zagreber Ausstellung beim Berliner Besucher das Gefühl, Teil dieser Masse zu sein.

Die Wände des dritten und letzten Raums der Galerie füllt Kruno bis in den letzten Winkel mit den Gesichtern von Künstlerfreunden, gleichgesinnten Kollegen und Familienangehörigen. Während die eine Wand komplett mit den Großaufnahmen der Gesichter bedeckt ist, ist die andere Wand behängt mit Ausdrucken humorvoller und fröhlicher Zeichnungen. Sich auf faszinierende Art spielerisch der neuen Technologien bedienend, zeichnet Kruno direkt mit dem Finger auf den IPhone-Bildschirm und erzielt dadurch verblüffende Resultate, die expressiv im Farbstrich und Kolorit sind und einen thematischen und formalen Bezug auf die stürmischen Werke des früheren Zyklus Gesichter bilden, die in Öl, Tusche, Aquarell und anderen Techniken gemalt wurden. Entstanden im Nachhall des Heimatkrieges, manifestieren sich die ersten Gesichter in ihrer Deformierung aus Schmerz und Leid, während die Berliner Arbeiten emotiv ganz leise gestellt sind, charmant humorvoll, mit einer Tendenz zur Karikatur. Einer Therapie gleich entstanden die Gesichter während einer Phase der intimen Krise und Depression, womit das persönliche Leiden des Künstlers seinen Bezug zu dem öffentlichen Leiden erfährt, was charakteristisch für den früheren Zyklus ist. Deshalb nehmen in diesen Bildern die überbetonten Augen, der Mund und die Hände durch ihre starke Hervorhebung die Gestalt phantomhafter Masken an. Doch nun wird das schwere, dichte und gedämpfte Kolorit von leichten, heiteren und neckischen Farben abgelöst und die trübe Atmosphäre von Hoffnung und Optimismus, das besonders auf den Fotografien der lächelnden Gesichter der Freunde mit empfunden wird.

Sein Projekt setzt Kruno bei der Eröffnung der Berliner Ausstellung fort, indem er nun Freunde, Künstler und das kunstliebende Publikum aus dem Weddinger Milieu fotografiert und er macht das Projekt somit durch die prozessuale Annäherung zur Energie seines Mikrokosmos zum künstlereigenem Projekt work in progress. Und genau diese von den Wänden herabblickenden Gesichter sind es, die die Masse bilden, deren Schicksal von manchmal geradezu schamlosen Beschlüssen der Politiker bestimmt wird, aber es sind auch gerade diese Gesichter, die sich dem am heftigsten kritisch widersetzen. Mit dieser effektvollen Pointe macht Kruno die Verbindung dieser beiden Ausstellungen zu einer sinnvollen Einheit.

Krunislav Stojanovski beweist auch mit diesem Projekt einen hohen Grad an Reife in der Artikulation und Realisation des künstlerischen Konzepts, einen ausgesprochenen Sinn für kreative Innovation bei der Verwendung von digitalen Medien, er beweist eine koloristische Sensibilität und nicht zuletzt ein beständiges Interesse für eine gesellschaftlich engagierte Kunst. Seine Werke lassen sich nicht nur als ausschließlich ästhetische Tatsachen perzipieren, sie strahlen auch eine tiefe humane Botschaft aus.

Ivana Gabrić

(trans. Ivana Nikolić)