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      2012                                  

 

Manfred Reuter

Yury Kharchenko

Goldbach im Golrausch?!

Natsa Milovancev

Ladislav Cvetkovski

Marija Svetieva

Shquipe Mehmeti

Gala Caki

Khalid Al-Kubaisi

Super Heroes

Slavco Spirovski

Hristina Zafirovska

 Jovan Balov 

 

 

05.01. - 26.01.2012

"Way out"

Jovan Balov

&

Jürgen Nafti

 

 

 

 

 

     

 

   

 

   

 

   

 

 

„Mit meinen Augen“

 

Präsentation neuer Bilder von Jovan Balov

 

Im Mittelpunkt der Präsentation stehen neue Malereien - Portraits, Acryl auf Leinwand. In den letzten zwei Jahren hat sich Balov sehr konzentriert mit Malerei auseinander gesetzt und sein Potential dabei erweitert. Seine durch die Archäologie geprägten Analysen  der sozialen Lebenswelt, die er schon in den letzten Jahren mit seinen künstlerischen Mitteln und Fähigkeiten interpretierend und synthetisierend in seinen Arbeiten – Malerei, Video, Installationen - umgesetzt hat, überträgt er inzwischen in seinen hyperrealistischen Portraits mit Acryl auf die Leinwand. Er löste sich dabei schnell von den nordamerikanischen Vorbildern des Hyperrealismus wie zum Beispiel von dem Fotorealisten Chuck Close. Es geht ihm weniger um die Übersteigerung der Wirklichkeit, als um den Einsatz malerischer Mittel zur Herstellung von Charakterstudien mit persönlichem Hintergrund gemäss der Absicht, dass ein Portrait über die Darstellung körperlicher Ähnlichkeiten das Wesen und die Persönlichkeit des Portraitierten über die menschliche Mimik hinaus zum Ausdruck bringen sollte.

 

So hat er zu Beginn  seines Entwicklungsprozesses ein Portrait seiner Tochter Anna Marija in monochromen Farben gesetzt. Die folgenden Portraits seiner Töchter Paula und Ena sowie die etwas kleiner Arbeit von Ena Kamenkovic, der Tochter eines Freundes, spielen mit den Farben von Braun zu Oker, Siena oder anderen erdigen Farbtönen. In den Portraits seiner Eltern und vor allem in der Arbeit von seiner Frau Doroteja setzt er zudem die Auseinandersetzung mit der Perspektive in seinen Portraits fort, wodurch diese jeden Bezug zu der Ikonenmalerei, die Jovan Balov aus seiner Makedonischen Tradition bestens kennt, überwindet. Er spielt zudem mit verschiedenen Ansichten in den Portraits seiner Mutter und in seinen Selbstportraits, spiegelt Seiten etc. Das Spiel mit den Farben wie die Plastizität seiner Portraits über die genaue Anwendung der  Perspektive treibt er schliesslich in seinen beiden Künstlerportraits des preussischen Bildhauers Christian Daniel Rauch aus dem 18. Jahrhundert und des gegenwärtigen Berliner Malers Wolfgang Petrick weiter, indem er Rottöne (Petrick) und Gelbtöne (Rauch) in die Monochromie hinein nimmt. Zusätzlich setzt Balov die Namen der beiden Künstler in Versalien an den oberen Bildrand, gleichsam als Zitat nach Hans Holbein dem Jüngeren, der in der Renaissance in London zahlreiche Adelsportraits geschaffen hat.

 

Dienten bei den bisherigen Arbeiten selbst hergestellte Fotos von lebenden Personen als Vorlagen für seine Malerei, so diente ihm für die Arbeit zu dem Bildhauer Rauch der klassische Gipsabguss einer Plastik als Vorlage, in die er seine eigenen Augen einmontierte. Das amorphe Material des Gipses gewinnt so eine eigentümliche Lebendigkeit, obschon beispielsweise die Struktur der Haare deutlich auf das tote Material einer Skulptur hinweisen. Dieses Spiel will Jovan Balov als nächstes mit einem Portrait von Karl Friedrich Schinkel, Johann Gottfried Schadow, Adolph Menzel, Johann Friedrich Drake, August Kiss...  nach Skulpturen weiter treiben. Selbstverständlich wird er seine Portraitserie fortsetzten.

 

Für mich sind die Portraits von Jovan Balov nicht realistische oder naturalistische Nachbildung, sondern ein künstlerisches Prinzip Balovs ist es die analytisch begründete Übersteigerung der Realität hinter den Oberflächen zu zeigen. Sein Hyperrealismus tritt in den Portraits besonders hervor, indem er die Persönlichkeiten über ihre Vorlagen – Fotos, Skulpturen etc.– hinaus durch seine Maltechniken mit Leben erfüllt.

 

Berlin im Mai 2010

Dr. Rolf Külz-Mackenzie

 

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Passe-Partout

Zeichnungen als Konzept!.

 

Der künstlerische Beitrag von Jovan Balov umfasst eine Serie von Zeichnungen, die in enger Zusammenarbeit mit dem Schauspieler und Autoren Jürgen Nafti entstanden sind. In formaler Anlehnung an Passepartouts, so der Titel der Arbeit, umrahmen in Briefform verfasste Texte von Jürgen Nafti freistehende Felder, die Jovan Balov mit gezeichneten Selbstportraits besetzt. Mit seinen Selbstportraits reagiert Balov auf die textuelle, psychosoziale Präsenz imaginärer Adressaten, ein Akt der Identifikation, dessen empathischer Ausdruck auch einem persönlichen Wissen um die verborgene Hintergründigkeit der Texte entspricht.

MARTIN  JUEF

 

 

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Passepartout ([paspaRtu] frz. passer „hindurchgehen“ und partout „überall“)

 

Passe-Partout ist ein Konzept mit Texten und Zeichnungen, das wegen dieser  Austellung produziert wurde. Die Texte mit Dramaturgische Formen sind als ein Passepartout angelegt und vom Schauspieler Jürgen Nafti geschrieben worden. Der Inhalt der Texte inizierte dieses zeichnerisches Projekt. Sie umrahmen Portraitzeichnungen, die in der Beziehung mit den Texten entstanden sind. Das Bedeutende an diesen Zeichnungen ist, dass sie alle eine tiefgründige, psychologische Analyse an den imaginären Portraits/Gesichtern haben.

  

„Diese Texte entstehen aus sehr tiefen, persönlichen Begegnungen mit Künstlerkollegen und setzen dort ein, wo unsere Gespräche mit ihren konkreten sozialen Realitäten auf ihre persönlichen oder gesellschaftlichen Grenzen gestoßen sind. Sie stellen deswegen zunächst einmal und in erster Linie Briefe dar, die einen einzelnen und genau bezeichneten Adressaten haben, um meine konkrete Sprachlosigkeit ihm gegenüber überwinden zu wollen…

 

…Daher aber durchschreiten sie zugleich einen Raum, der kein bloß privater mehr bleiben konnte. Und indem sie sich nicht nur an alle Menschen richten, sondern vielmehr an meine Vorstellung vom Zustand einer Menschheit, stellen sie im selben Moment auch Briefe an diese Menschheit dar, um  meine Vorstellung von ihr loswerden zu können. Um sie buchstäblich abschütteln zu können.“

 

Jürgen Nafti

 

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DISEGNO - ZEICHNUNGEN

Passe-Partout

 

JOVAN BALOV  stellt  seine Folge „Passe-Partout“ aus dem Jahr 2011 vor. Er montiert die gedruckten Texte gleich einem Rahmen  um seine Selbstporträts. Diese  Texte schenkte ihm JÜRGEN NAFTI. Er ist Schriftsteller und Schauspieler. Er schreibt und sinniert sich durch eine Welt, die ihm kalt und bedrohlich erscheint und deshalb muss sie auf ein Grundprinzip hin gedeutet werden. Die Texte sind prägnant,  aber manchmal auch ausufernd formuliert.  Sie widmen sich realen Begebenheiten und ebenso  komplizierten Gedankengängen. JOVAN BALOV setzt die Texte, zumeist im rechten Winkel um sein Bildnis herum. Sein Gesicht spiegelt unterschiedliche Ausdrucksformen, wie zum Beispiel Nachdenklichkeit, Überraschung,  Ablehnung, Freude usw. wider. Diese Reaktionen sind natürlich von ihm inszeniert und dann fotografiert worden. Nach den Fotos sind die Federzeichnungen entstanden, die im Kontext mit dem Inhalt der jeweiligen Textcollage steht. Schrift und Bild gehen eine Konstellation ein, die auf Abstand  und klaren Ordnungsprinzipien beruhen. Wir spüren, die Welt des Einen ist nicht die Welt des Anderen  - dennoch beeinflussen sie sich gegenseitig.  

Armin Hauer