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      2009                                  

 

Arat 20

Tatjana Maneva

Debora Ruppert

Mia Stojanovic

Milos Vasiljevic

Gaudeamus igitur

Mimoza Veliu

Reading the City: Skopje

 Tomislav Todorovic 

Saso Popovski

Mile Saula

Antoni Maznevski

Artophilia

Sinisa Prvanov

 

 

26.06. - 14.07.2009

"Primordiale Komposition"

Tomislav Todorovic,

Serbia

 

   

 

       

Tomislav Todorovic

 

     

Nikola Šindik

  

DAS URANFÄNGLICHE GEFÜGE

Demütige Meditationen, die unterm gewölbten Dach in der Umgebung von Tomislav Todorović` hinreißenden Tatsachen zusammengefügt wurden

  

Man entdeckt immer aufs Neue, dass das Entdeckte über die Dunkelheit des eigenen Falles am zärtlichsten träumt.[1]

 

Am Anfang war das Ende. Oder umgekehrt... Wie auch immer, Über­leben­de gibt es nicht.

 

Die Zeugnisse über diesen Urakt sindwas auch logisch istgleich vertrauenswürdig wie die Antwort auf die FrageWie lebendig sind die Spuren von Toten?“ Das Enträtseln dieser hinzugefügten Aporie wird durch die Kargheit der Dokumente erschwert, deren Korrosion eine Folge der Erosion des Gedächtnisses und der geschult eingeschlafenen Sinne der Notare oder der Gebärmutter-Routine, mit der sich die Natur, die alle Gewalten zähmt, schamlos der Voreingenommenheit bis zur eigenen Verstaubung hingibt. Die gänzlich verdunstete Spur belebt wieder der Wind. Der Starre des (Bei)Gedankens entrissen, wie sonnige Schuppen herumgewirbelt, färbt sie den Untergang in den Aufgang um.... Die Mündung des Sinnes. Der Korn des Meeressalzes. Die Träne. Das Wort. Die eingeflochtene Träne. Das gesagte Wort. Der Mit-Sinn des Ursprungs.

 

Zwischen den Wörtern erholt sich Gott. In Gott träumt das Wort.

 

Das ewig sterbliche Wort.

 

Der warme Erdbaum kommt zu den Tränen hinauf[2].

 

Wenn die Träne das Wort ist. Die salzige Spur auf der Wange ist die Abschrift der Muttersprache.

 

Wenn das Wort Flügel hat und wenn diese aus Wind sind, dann ist das Wort ein Geschoß, dann ist es der Balsam, das Wort ist dann der Pollen und der schönste Duft ist das nicht gesagte Wort. Der Samen im Wind, der den Blick trübt. Das aus dem Auge herunter­gefa­lle­ne Bild. Das Wort ist dann ein Bild. Ein von der Gestalt geprägtes Bild. Die Maske des herunter­gefalle­nen Antlitzes, die von der dritten Sehnsuchtstufe befreit ist, nistet sich im Ur-Alphabet ein. In der Geheimschrift der Hoffnung.

 

Die Masken überdauern die Gesichter. Sie unterstützen unser Urteilen über die ver­gan­ge­nen trächtigen Annäherungen. Sie sind das Entscheidende, das aus der Sintflutzeit ist.

 

Wie viele Tränen machen die Sintflut aus?

 

Die Meinung ist richtig, laut der die Anzahl der Träne endlich ist und nicht der Menge des menschlichen Materials entspricht. Das eignet sich gut, um Vieles zu erklären, insbe­son­­dere dann, wenn man die Sintflut als Endgültigkeitsmaß hernimmt. Dadurch wird das Wörterbuch komplett, gebunden und entbunden gleichzeitig.

 

Jedes Wort ist die Rekonstruktion des Bildes. Das Bild: Die Wiedergeburt des Wortes. Das Lesen im Pulver ist nur durch die Staubschrift möglich. Das menschliche Maß, win­zig und übermäßig.

 

Alles wurde also niedergeschrieben, aber nicht vorgesungen. Nur im Gesang nistet sich aber der Sinn ein, der die Überheblichkeit des menschlichen Begreifens der Vorläufigkeit übersteigt, mit sehnsüchtigen Anstrengungen verschmilzt, welche die Hoffnung gestalten, sehr oft aber in Richtung der Rettung bringende Ohnmacht der Trivialitäten bringt.

 

Gefüge oder Falle. Poetik oder Ästhetik. Lesen und Weiterlesen oder die perfektionierte Mäuse-Falle.

Wenn in Einem Alles ist, wenn im winzigsten Korn Gott wohnt, dann ist jedes Ganze das vorläufige Entfernen vom Sinn als gleichzeitige einzige und exklusive Art des An­nä­he­r­ns. Die dauerhafte Maßnahme des verbrauchten Trostes. Die Ahnungen von der perfekten Falle gepaart mit dem Traum vom Erwachen. Das Erwachen in den Traum. Die Mäuse­fa­lle ist letztendlich die fokussierte Idee der Freiheit. Das Schloss als Stilisierung der Falle. Die dramaturgische Konvention sieht die kathartische Tiefe des Abgrunds vor, der den Raum zwischen dem Turm und dem Müllhaufen ideal einschneidet. Die gespielte Geo­me­trie ist erst ein von widersprüchlichen Modi des Chaos`. Die Freiheit fällt um – eine Idee, die im Raum der Hormonmagma entwickelt wurde. Der Schrei des Welt-Alls. Der Win­­kel des Flügels diktiert den Akzent.

 

Jede Mater-Ie

verkrustet / erworben / vor-

gefunden in beide

Richtungen,

So helfe mir die Sintflut![3]

 

Wenn wir über das Schaffen von Tomislav Todorović sprechen, sprechen wir in erster Linie über die innere Archeolgie. Über das Ausgraben der Hinterwörtlichkeit. Die For­men, die er vorträgt, sind die Konversion des Mitgedankens, die in beiden Richtungen die Flucht ergreift und den Sinn und den Gedanken in einen Knoten zusammenbindet. Der Ro­sen­kranz oder die introvertierte Million. Von einer Hälfte zur anderen, zwischen dem Ge­danken und dem Sinn, ist die Spanne des Menschen, der Mit-Sinn, der ausgelassene über­menschliche Wille, der vom Einladungsdienst gezügelt wird, das Beweisen des fe­hlen­den Schreies, das Übertönen des jungen milchigen Morgens, der von der geweckten Nacht entdeckt wurde. Denn, seit Langem hört man keinen Hahn, die Kinder können nicht krähen. Wer wird jetzt die Nacht wecken? Wie soll man sich ohne denn  Fall auf­rich­ten? Wenn der Wille horizontal und der Wunsch hart wie Euro in der Hand ist, die zur Bitte zusammengepresst ist, dann ist das Wort ein tief steckender Knochen. Wo es weh tut, dort soll man graben.

Die langen Scherben mit Artikeln im rekonstrultiven tempelartigen Ambiente. Des auf­ge­tauch­ten Tempels einer versunkenen Zivilisation. Ecce homo! Die Scherben, die mit der tek­tonischen Logik der Reibung der finsteren Seelen ausgeschrieben wurde. Die ge­olo­gi­sche Chirurgie des extrahierten Geheimnisses des Selbsteinscheidens. In der Nähe der Heil­ung. Gnade.

 

Denn der Stein ist angekettet, Prometheus hat unter dem Schein des Adlersaugen nur ein­ge­nickt. Die Kralle, die Leber und der Schnabel – Disziplin der Geschichte, die sich vom Mythos befreit hat. Der Geschichte als einer wissenschaftlichen Disziplin.

 

Diese Geschichte behandelt aber nicht das Gute und das Böse, das angespannte dia­lek­ti­sche Verhältnis des Regenwurmes und des Humus`, die Auktion des Abkaufens, das zwie­trächtige Verschränken um den Kessel am schwachen Flammen, die überbackene Mär­ty­rerin in brüchiger Zähmung. Das war nachher oder wird dann sein, bevor im Zepter ver­wobene Eros und Tanatos die Dunkelheit plötzlich erhellen. Die Dunkelheit, die älter als Finsternis ist. Die jünger als das Licht der Morgenröte ist. 

 

Die von der trockenen Träne umfassten Jahrhunderte. Unausgeweinte. Ungesühnte.

 

Tomislav baut einen Tempel. Der Tempel baut auch Tomislav. Der Kanon der Buße ist kultiviert in den privaten Notizen geblieben, nur die Interpunktion... Ein Bau, der sich nicht den Gesetzen der grauen Masse beugt, sondern mit dem alogischen Zugriff der Weiße (der Flügel?) übereinstimmt. Jedes Stück für sich ist eine semantische Konstante, kein Teil des Bühnenbildes des Vorfalls, ins Meter des Programms der Kunstgeschichte freundlich eingelullt, durch die gezähmte Fertigkeit unterstützt, mit der unanfechtbaren Fähigkeit der Verwandlung, mit einem geduldigen Maß, das nur die seltenen Meister auszeichnet. Das verkrampfte Mandala der gesperrten inneren Flüsse. In den Satz zusammengefügt entdecken sie aber einander, eröffnen Bedeutungen, aus welchen einmal das Wort heraus geflossen war, aus welchen einmal das Bild hinaus fließen wird. Dazwi­schen, in summenden Aliquoten, wächst das Licht, öffnet den Tempel in die Unend­lich­keit. Oder in den Anfang.

Und am Anfang war...

 

Aus dem Serbischen von Goran Novaković

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[1] Dragan Grbić - Innere Archeologie – Der Untergang des Entdeckten

[2] Dragan Grbić - Innere Archeologie – Der Untergang des Entdeckten

[3] Miljurko Vukadinović – zusammengeSchustert für Toma Todorović