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     2006                                  

 

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Emilia Duparova

Vidoje Tucovic

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Beyond the light and the colour

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Wadim Rakowski

 Ulrike Markert 

Sun for All

 

 

24.02. - 16.03.2006

Ulrike Markert

„Mon petit monde“

www.markert-art.net

 

Inszenierte Fotoporträts vor einer gemalten weihnachtlichen Sujet-Kulisse, Projekt in Ngaparou/Senegal, Künstlerhaus „Villa Gottfried“, Dezember 04

 

Im Dezember letzten Jahres war ich mit einem Kunstprojekt zu Gast im Künstlerhaus „Villa Gottfried“ in Ngaparou, ca. 70 km entfernt von Dakar.

Die entstandenen Fotoporträts vor gemalter Sujetkulisse möchte ich einem Publikum in Berlin und im Senegal vorstellen. Neben den entstandenen Kulissenporträts sollen auch Fotos und Geschichten des Umfeldes ihren Platz finden, um die Dokumentation noch lebendiger zu machen.

 

              

 

         

Ulrike Markert

 

         

 

Konzept

 

Mit meiner Idee knüpfte ich an die senegalesische Tradition und Beliebtheit der inszenierten Fotos (mit oder ohne Sujetkulissen) an, die besonders zu Feiertagen gefertigt werden. Meine Arbeit ist eine Verbeugung vor der traditionellen afrikanischen Porträtfotografie vor gemalten „Traum-Kulissen“, die ironisch-feierliche Selbstinszenierung.

Ich malte eine „heimatliche“ Sujetkulisse und lud Menschen von Ngaparou zum Posieren vor meiner Kulisse ein. Das Offerieren eines persönlichen Ausschnittes meines Lebens, meine „häusliche Hülle“ bot ich als Geste an, die über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg reicht.

 

         

 

         

 

         

 

Meine Idee steht im Kontext der immer neuen Suche nach einem geeigneten Hintergrund und dem richtigen Umfeld für die eigene Entwicklung. Was bedeutet „Zu Hause“ und was macht ein tragbares „Heimisches Gefühl“ aus? Im Idealfall kann man sich überall dazugehörig und heimisch fühlen, weil man seelische Luftwurzeln stets bei sich trägt und eine Form von Verbundenheit überall erlebt. Die Weltoffenheit des eigenen Gehäuses ist eine gute Vorraussetzung, andere Lebenswirklichkeiten zu achten, ohne die eigene Identität zu verleugnen.

 

         

 

         

 

Während meines Aufenthaltes in Ngaparou war es Weihnachtszeit. Ich wählte als Motiv mein Berliner Zimmer in vollem Weihnachtsschmuck, mit gedecktem Tisch, in Erwartung der Gäste. Genauso, wie ich es in Berlin zur gleichen Zeit tun würde.

Das Weihnachtsfest in Deutschland ist sehr gewichtig. Auch diejenigen, die es lieber ignorieren möchten, kommen nicht daran vorbei. Ich habe mir zum Weihnachtsfest, über alle Brüche hinweg und vom Konsumterror entschält, ein gutes Verhältnis bewahrt, wobei ich Platz für Tradition und Eigenes schaffe. Fern von zu Hause erfüllte ich mir den Wunsch, ein Stückchen Heimat mit dem Braten auf die Tafel zu malen. In Erwartung von Gästen, von denen ich noch nicht wissen konnte, ob sie kommen würden und wer es sein würde, malte ich einen gedeckten Tisch. Mit dieser Haltung ging ich auf die Menschen zu. Die Menschen des Fischer-Ortes nahmen meine Einladung ins ambulante Fotostudio vor dem Künstlerhaus gerne an und kamen zum Teil eigens mit ihren Festkleidern zum Posieren. Ich, die ich selbst zu Gast war, lud die Gäste ein, mich fiktiv in Berlin zu besuchen. Gleichzeitig war es eine reale Einladung zum geselligen Beisammensein und zum interkulturellen Dialog in Ngaparou. Die Kulisse mit ihren Details gab den Einstieg, Rezepte für gefüllte Ente, Thüringer Klöße und Rezepte für senegalesisches Maffé wurden erörtert.

 

          

 

         

 

Es gab im Senegal häufig Momente des Staunens. Einer davon war, dass in dem mehrheitlich muslimisch/sufistisch geprägten Land, Weihnachten dennoch gefeiert wird: Feiern auf öffentlichen Plätzen, Familienbesuche und 2 Wochen Ferien für die Kinder gehören dazu. Das Zusammenleben von Muslimen und Christen, der verschiedenen Religionsgruppen und Ethnien schien mir auf den ersten Blick in beispielhafter Weise friedlich und integrativ. Die Aktion und die Fotoporträts zeigen spielerisch Möglichkeiten von Verständigung und Akzeptanz zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen. Es geht um den respektvollen Umgang miteinander. Hier ist eine Haltung von Neugier und Lernwillen gefragt, die es möglich macht, festsitzende Klischees, gerade im Kontext der Nord-Süd-Kontraste, zu korrigieren.

 Ulrike Markert